Projektionen

Der Begriff Projektion umfasst das Übertragen und Verlagern eines innerpsychischen Konfliktes durch die Abbildung eigener Emotionen, Affekte, Wünsche und Impulse, die im Widerspruch zu eigenen und/oder gesellschaftlichen Normen stehen können, auf andere Personen, Menschengruppen, Lebewesen oder Objekte der Außenwelt. (Quelle: Wikipedia)

Es gibt sie in allen Lebensbereichen. Sie sind eine Herausforderung, sowohl für diejenigen die projizieren, als auch für diejenigen auf die projiziert wird.

Als ich zwar schon länger Yoga geübt, jedoch noch nicht unterrichtet hatte, spürte ich eine recht große Bewunderung für meine Lehrer. Diese konnte jedoch genauso schnell ins Gegenteil umkippen und Abneigung hervorrufen. Beides liegt recht nah beieinander. 

Es gab Phasen, in denen ich wenig geerdet war. Ich war überall, nur nicht bei mir. Die Tiefenentspannung am Ende jeder Yoga Klasse war für mich eine unangenehme Pflicht. Dementsprechend war ich jedes Mal froh die Stimme des Lehrers zu hören, man solle den Atem langsam wieder vertiefen und sich bewegen. Ich erinnere mich, dass uns der Lehrer einmal ungewöhnlich lange in dieser Position verharren ließ. Ich wurde unruhig und hatte irgendwann das Gefühl, ich könne keine einzige Sekunde länger so regungslos daliegen bleiben. Alles in meinem Körper zog sich zusammen und ich spürte Wut aufsteigen. Doch wohin bloß mit dieser Wut? Ganz klar, zu der Person, die mich in diese unangenehme Lage brachte.  Hierbei handelt es sich um eine typische Projektion. Ich war ungeduldig, rastlos, gelangweilt. Mit dem Lehrer hatte das rein gar nichts zu tun, trotzdem beschloss ich damals nie wieder eine seiner Klassen zu besuchen.
Wir leben mit Projektionen, wenn wir uns auf andere beziehen. Also in allen zwischenmenschlichen Beziehungen.

Ähnliche Reaktionen, wie meine damals, nehme ich heute auch bei meinen Schülern wahr. Im Einzelunterricht kann man gut darüber sprechen. In einer offenen Klasse muss man sich als Lehrer auch schon mal ein dickes Fell zulegen, besonders wenn man eher durchlässigerer Natur ist. Ich verstehe die hochkommenden Emotionen, wenn man eine Übung machen soll, die eine Konfrontation auslöst. Letztendlich gibt es zwei Möglichkeiten: Man hört auf, macht es langsamer, schneller, setzt sich hin, steht auf, oder verlässt sogar leise den Raum. Sofern man dem Lehrer vertraut und dieser eine Kompetenz in seinem Feld aufweist, wäre die klügere Variante sich auf die Situation einzulassen. Man muss verstehen, dass alles was „triggert“ und provoziert, etwas mit der eigenen Psyche und den darin verborgen liegenden Schatten zu tun hat. Diese sind meist un-bewusst und nur schwer zu durchschauen.

Ich bin davon überzeugt, dass meine Lehrer wissen was sie tun und vertraue dem Prozess. Dennoch hinterfrage ich, was für mich keinen Sinn ergibt. Im Leben wie auch auf der Matte, gehen wir durch Ungewohntes und Unbequemes hindurch. Danach stellen wir nicht selten fest, dass wir gewachsen sind. Der Geist stabilisiert sich und die eigenen Handlungen werden zunehmend reflektierter und klarer.

Sich selbst zu neutralisieren ist in fast allen Berufen hilfreich und wichtig, um ein größeres Spektrum einer Situation, oder Person erkennen zu können. Ich wurde mit jedem Jahr des Unterrichtens pragmatischer und bodenständiger. Ich sehe es als große Ehre, dass Leute mir ihr Vertrauen schenken und ich Ihnen Werkzeuge mitgeben kann, die Sie im Alltag unterstützen.

Hinsichtlich dessen wie Yogalehrer zu sein, zu denken und zu leben haben, existieren teilweise immer noch utopische Vorstellungen. Wer andere idealisiert, wird früher oder später enttäuscht. Das Universum besteht aus Polarität. Wir sind polare Wesen. Indem wir das anerkennen, weicht der Druck und wir können uns entspannen. Das sorgt für Leichtigkeit, Zufriedenheit und macht uns zusätzlich auch noch zu angenehmeren Zeitgenossen. 🙂

“The highest result of education is tolerance” 
― Helen Keller

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