Fünf Fragen an Liz Huntly

Die kanadische Yogalehrerin Liz Huntly traf ich zum ersten Mal 2014, beim Groove Festival in Berlin. Ein Festival bei dem es neben Musik und Yoga, um den kreativen Ausdruck des Selbst durch Bewegung geht. Mit ihrem Mann Roland Jensch hat sie das Festival ins Leben gerufen, um den Community Gedanken unter Yogis zu festigen. Ich habe Liz gefragt, welchen Tipp sie für neue Lehrer hat, wie ein typischer Tag bei ihr aussieht und was sie gerade liest…

1.) Liz, du bist Yogalehrerin und reist viel. Wie sieht ein typischer Tag bei dir aus?

Jeder Tag sieht anders aus. Wenn ich in Köln bin, dann unterrichte ich vielleicht ein-zwei drop-in Klassen, arbeite mich zwischendurch durch einen Haufen Emails, esse Kuchen in meinem Lieblingscafe und schaue was sonst so ansteht. Unterwegs gibt es erst recht keinen festen Ablauf. Je nachdem ob ich für einen Workshop in Österreich bin oder z.B. grad ein Groove Festival in Kroatien oder Kanada ansteht. Roland und ich haben eine ganze Menge kleiner Rituale, die wir überall mit hinnehmen können. Wir stehen  z.B. sehr gern früh auf. Ich liebe die ruhige Zeit am frühen Morgen um zu meditieren, mich zu bewegen oder zu schreiben. Unser Frühstück sieht auch meist ganz ähnlich aus. Grüner Tee, frisches Obst und Müsli – das lässt sich so fast überall organisieren. Wir achten auch darauf am Abend Zeit für uns zu haben und trinken dann gern ein Bier oder lesen ein paar Seiten. Am liebsten sind wir um 10:00 im Bett – dann klappt das frühe Aufstehen am besten. Es sind also solche Momente bewusster Ruhe, die sich, mehr oder weniger, wie ein roter Faden durch unseren Tag ziehen.

 

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Foto: Hanna Witte

2.) Was findest du toll und was herausfordernd, an deinem Beruf als Yogalehrerin?

Das größte Geschenk ist die Möglichkeit mit vielen interessanten Menschen zu arbeiten. In meinen Klassen begegne ich wirklich wundervollen Schülern. Auch ist es immer wieder großartig Zeit mit all den außergewöhnlichen Lehrer und Musiker auf den verschiedenen Festivals und Konferenzen zu verbringen. Es inspiriert und bewegt mich sehr so Teil einer großen Yoga Community sein.

Das Reisen an sich ist aber gar nicht so sexy wie man es sich vielleicht vorstellt. Ich verbringe recht viel Zeit mit warten in Bahnhöfen, an Flughäfen oder sonst wo unterwegs. Es gibt außerdem immer eine ganze Menge Büro- und Organisationsarbeit zu tun rund um die Workshops, Festivals oder Retreats. Ich wollte nie einen Bürojob; Und trotzdem verbringe ich wirklich viel Zeit am Computer. Da hat mir vorher niemand von erzählt.

  

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Foto: Benjamin Kurtz

3.) Hast du einen Ratschlag für Lehrer, die gerade erst anfangen zu unterrichten? 

 Es ist wichtig geduldig zu sein. Ein richtig guter Lehrer zu sein hat viel mit Erfahrung zu tun. Ich wollte z.B. von Anfang an die perfekte Lehrerin sein und habe Jahre gebraucht um zu akzeptieren, dass es in Wahrheit ein fortwährender Lernprozess ist.

Und nicht jeder muss dich mögen! Ich glaube nicht, dass eine Lehrerin die perfekte Lehrerin für alle und jeden sein kann. Ich unterrichte z.B. recht herausfordernde Klassen – das ist die Art von Yoga, die mein Körper versteht und die mich anspricht. Und ich weiß, dass das nicht jedermanns Sache ist. Aber es gibt andere Lehrer für diese Menschen. Zu versuchen jedem zu gefallen, der einem begegnet, macht dich nicht zu einem guten Lehrer. 

4.) Wie ernährst du dich? Hast du ein Lieblingsrezept für uns, auch wenn die Zeit mal knapp ist ?

In letzter Zeit ärgert es mich etwas, dass all diese großen Ketten versuchen auf irgendeinen Zug aufzuspringen. Wenn es z.B. bei Backwerk ein veganes Sandwich oder eine Veggie-Burger bei MacDonald’s gibt, verliert vegan oder vegetarisch den Sinn für mich. Michael Pollan, ein bekannter Autor, hat es ganz simpel zusammengefasst. „Eat food. Not too much. Mostly plants.” Daran halte ich mich. Größtenteils frische Lebensmittel aus dem Bioladen. Überwiegend vegetarisch, obwohl ich vielleicht ein oder zweimal im Jahr Fleisch oder Fisch esse, wenn es Sinn für mich macht. Z.B. im Urlaub in einem kleinen mexikanischen Fischerdorf. Ich trinke gern Bier oder Wein – aber selten mehr als ein oder zwei Gläser. Ich versuche häufiger aus dem Akt des Essens ein bewusstes, fast meditatives Erlebnis zu machen. Ich denke nicht, dass es vorrangig darauf ankommt, was du ist, sondern mehr ob wir uns darüber wirklich bewusst sind. Wenn wir aufmerksam und mit allen Sinnen schauen wie wir uns fühlen, treffen wir meistens bessere Entscheidungen.

Ich liebe es selbst zu kochen und richtig viel Zeit und Raum zu haben um diesen Prozess wirklich zu genießen. Um ehrlich zu sein ist eines meiner Lieblingsrezept wenn die Zeit mal knapp ist, einfach in das nächste Cafe zu gehen. Ich bestelle ein großes Stück Kuchen mit zwei Gabeln, teile es mit Roland und überlasse ihm das letzte Stück.

 

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Foto: Hanna Witte

5.) Welches Buch liegt gerade auf deinem Nachttisch und was ist dein Lieblingsfilm?

Aktuell lese ich “The Gift of Good Land” von Wendell Berry. Ein schönes und gleichzeitig trauriges Buch, das mehrere Essays über die Zerstörung traditioneller Agrarkultur in Amerika und den Schaden den die moderne Agrarwirtschaft in der Umwelt anrichtet zusammenfasst. Und damit zurück zum Thema Ernährung. Mich erinnert das daran, dass unsere modernen westlichen Ernährungsvorstellungen sich hauptsächlich um unserer eigenen, persönlichen Gesundheit drehen. Was wir uns entscheiden zu essen beeinflusst die Welt in der wir leben. Deshalb schaue ich mich mehr und mehr nach lokalen Erzeugnissen um und achte darauf wie etwas hergestellt und verpackt worden ist.

Ich bin kein Film- Enthusiast. Ich habe wirklich noch nie einen Fernseher besessen. Ich habe mich immer viel mehr für Bücher interessiert. Das heißt nicht, dass ich jetzt ein absolutes Lieblingsbuch benennen könnte. Es gibt einfach viel zu viele gute Bücher!

Danke für das Interview!♥︎

 www.lizandroland.com

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